Finasterid gegen Haarausfall

Wer unter Haarausfall leidet, der lässt oftmals nichts unversucht, um dagegen vorzugehen. Neben Haarwassern und Shampoos gibt es auch Medikamente, die gegen den Haarverlust helfen sollen. Die Frage ist: Helfen diese Medikamente wirklich, welche Nebenwirkungen haben sie und können sie den Betroffenen die Lebensqualität wieder zurückgeben?

Finasterid-Behandlung | Tabletten, Pillen und Kapseln
Große Auswahl: Finasterid ist einer von vielen Wirkstoffen, die Abhilfe bei Haarverlust versprechen. © Pixabay

Wir haben uns den Wirkstoff Finasterid näher angesehen und überprüft, wie wirksam er tatsächlich ist.

Was ist Finasterid?

Finasterid ist ein sogenannter 5-Alpha-Reduktasehemmer, der Enzyme in ihrer Aktivität einschränken soll. Im Falle von Finasterid geht es ganz speziell um die Alpha-5-Reduktase. Dieses Enzym spielt eine entscheidende Rolle, wenn im Körper Testosteron in Dihystrotestosteron umgewandelt wird.

Bei Männern vergrößert sich mit zunehmendem Alter häufig die Prostata. Das führt nicht nur zu Problemen mit dem Wasserlassen, sondern auch zum Haarverlust. Die Haarwurzeln – speziell an den Seiten und auf dem Haupthaar – reagieren empfindlich auf Dihystrotestosteron und fallen aus.

Genau an dieser Stelle soll Finasterid wirken. Es unterbindet die 5-Alpha-Reduktase, soll dadurch die Entstehung von Dihystrotestosteron verhindern und damit auch den Verlust der Haare. Als positiver Nebeneffekt kann sich die Prostata erholen und der Hormonhaushalt kommt wieder in ein Gleichgewicht.

Wirkung von Finasterid tritt schnell ein

Der Wirkstoff wird in Tablettenform eingenommen und ca. zu 80 Prozent aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Die übliche Dosierung liegt bei 5 mg am Tag. Die Tablette soll unabhängig von einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit geschluckt werden. Etwa zwei Stunden nach der Einnahme tritt die Wirkung ein und das Finasterid wird in der Leber abgebaut und später wieder ausgeschieden. Die Einnahme muss täglich erfolgen, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Viele Betroffene berichten davon, dass Finasterid schon kurz nach der ersten Einnahme die erste Wirkung auf der Kopfhaust zeigt. Zwar wachsen die einmal ausgefallenen Haare nicht wieder nach, aber…

Studie belegt Wirkung von Finasterid

Eine etwas ältere Studie aus dem Jahr 2000 belegt, dass Finasterid bei Haarausfall wirksam ist. Dazu wurden zwei 1-Jahres-Studien durchgeführt mit männlichen Testpersonen, die zwischen 18 und 41 Jahren waren. Alle Probanden litten unter männlichem Haarausfall und bekamen entweder Finasterid oder ein Placebo. Insgesamt waren es 1553 Teilnehmer, die 1 Jahr an dieser Studie teilnahmen. Im zweiten Jahr gab es eine Verlängerungsstudie mit 1215 Männern. Die Wirksamkeit von Finasterid wurde durch die Auszählung der Kopfhaare bemessen und außerdem wertete ein Expertenteam die angefertigten Fotos aus.

Das Ergebnis der Studie: Finasterid konnte nach 1 bzw. 2 Jahren eine deutliche Verbesserung des Befundes erreichen. Alle Patienten, die nur ein Placebo bekamen, litten weiterhin an einem fortschreitenden Haarausfall. Patienten, die Finasterid einnahmen, spürten auch selbst eine merkliche Verbesserung. Finasterid konnte das Fortschreiten des Haarausfalls merklich verlangsamen.

Zahlreiche Nebenwirkungen sind zu Finasterid bekannt

So wirksam Finasterid bei vielen Patienten auch ist, so viele Nebenwirkungen sind auch zu beklagen. Viele Betroffene sehen sich in Anbetracht auf die unerwarteten, starken Nebenwirkungen nicht ausreichend aufgeklärt.

Die Liste möglicher Nebenwirkungen von Finasterid ist lang:

  • Erektile Dysfunktion

Erektionsstörungen gehören zu den häufigsten genannten Nebenwirkungen von Finasterid. Ursprünglich ist das Medikament gegen eine gutartige Prostatavergrößerung entwickelt worden. Als positiver Nebeneffekt zeugte sich, dass die betroffenen Patienten plötzlich wieder verstärktes Haarwachstum beobachten konnten. Dadurch kam die Pharmaindustrie darauf, den Wirkstoff auch gegen Haarausfall einzusetzen. Da jedoch an erblich bedingtem Haarausfall nicht nur 70+-Patienten, sondern auch junge Männer leiden, zeigten sich schnell Nebenwirkungen in Form von Libidoverlust und erektiler Dysfunktion. Sogar nach dem Absetzen des Medikamentes konnten einige Betroffene bemerken, dass die Nebenwirkungen weiter anhielten. Auch Ejakulationsstörungen und ein vermindertes Ejakulationsvolumen gehören zu den beobachteten Nebenwirkungen.

  • Bildung von Männer-Brüsten

Durch die Hemmung der Umwandlung von Testosteron in Dihystrotestosteron kann es unter der Einnahme von Finasterid zur Bildung von Männerbrüsten kommen. Dies ist insbesondere für junge Männer ein unerwünschter Nebeneffekt, der außerdem nicht so schnell rückgängig gemacht werden kann.

  • Unfruchtbarkeit

Neben den beschriebenen funktionalen Störungen der Sexualfähigkeit, kam es in einigen Fällen sogar zu einer vollständigen Zeugungsunfähigkeit.

  • Depressionen

Einige Betroffene beschreiben auch emotionale Auswirkungen durch die Einnahme von Finasterid. Das Spektrum reicht von Unruhezuständen über Depressionen bis hin zu Suizidgedanken.

  • Überempfindlichkeit

Zu den beobachteten Nebenwirkungen gehören auch Überempfindlichkeitsreaktionen wie Ausschlag, Pruritus sowie Schwellungen der Lippe, der Lunge, des Halses und des gesamten Gesichtes.

Post-Finasterid-Syndrom

Sogar nach dem Absetzen des Medikamentes konnten einige Betroffene bemerken, dass die Nebenwirkungen weiter anhielten. Das Magazin The Journal of Sexual Medicine“ veröffentlichte Datenmaterial aus klinischen Studien, die belegen sollten, dass Finasterid auch nach dem Absetzen weiter Schäden im Körper anrichtet. Männer litten weiterhin an einem anhaltenden Verlust ihrer Sexualfunktion. Dabei steht die Dauer der vorherigen Einnahme wohl in einem direkten Zusammenhang damit, wie lange die Nebenwirkungen anhalten. Eine Studie dazu belegt, dass Männer, die Finasterid länger als 205 Tage einnahmen, ein 5fach so hohes Risiko haben an einer persistenten erektilen Dysfunktion zu erkranken als kürzer behandelte Männer. Dies war für die betroffenen Patienten nicht nur körperlich, sondern vor allem auch emotional sehr belastend und wirkte sich entscheidend auf die Lebensqualität der Betroffenen aus.

Klage gegen Hersteller von Finasterid

Da im Beipackzettel nicht vor den nach und nach bekannt gewordenen Nebenwirkungen berichtet worden war, reichten Betroffene 2017 Klage gehen den Hersteller ein. Zwei der Geschädigten sowie die zuständige Aufsichtsbehörde klagten, weil die Nebenwirkungen wie Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen und Erektionsstörungen auch nach der Einnahme weiter anhielten und sich die Betroffenen nicht ausreichend aufgeklärt fühlten. Teilweise waren die Betroffenen nicht mehr arbeitsfähig und die Nebenwirkungen kaum behandelbar seien. Zum Zeitpunkt der Einreichung der Klage waren bereits 170 Fälle mit unerwünschten Nebenwirkungen bekannt. In den USA lagen zu diesem Zeitpunkt sogar schon 1400 Klagen vor.

Besondere Hinweise zu Finasterid

Finasterid kann sehr leicht über die Haut aufgenommen werden. Daher ist es besonders wichtig, dass beispielsweise schwangere Frauen in keiner Weise mit dem Wirkstoff in Kontakt kommen. Allein das Zermörsern oder das Berühren der Tablette ist verboten. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Kontakt mit dem Wirkstoff bei ungeborenen Kindern zu Missbildungen führen kann. Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen sind nicht bekannt.

Welche Alternativen gibt es zu Finasterid?

Obwohl die Wirksamkeit von Finasterid bewiesen werden konnte, raten viele Ärzte mittlerweile von der Einnahme des Medikamentes ab. Sein Nutzen steht in keinem Verhältnis zu den erwarteten Nebenwirkungen. Trotzdem müssen sich Männer aber nicht mit einer frühen Glatzenbildung abfinden. Es gibt einige weitere Medikamente, die aber ebenfalls mit Nebenwirkungen behaftet sind und dauerhaft eingenommen werden müssen. Das ist nicht nur für den Körper schädlich, sondern auch für die Geldbörse. Bei monatlichen Kosten von ca. 40,00 € für Medikamente gegen Haarausfall und Haarwuchsmittel kommen über die Jahre hohe Beträge zusammen.

Haartransplantation als Alternative zur Medikamenteneinnahme

Eine schonende und dauerhaft wirksame Alternative gegen den Haarausfall ist die Haartransplantation. Die Haartransplantation ist ein minimalinvasiver Eingriff, der sehr gute Ergebnisse bringt. Es gibt unterschiedliche Methoden, die bei Haarausfall angewendet werden. Die am häufigsten angewendete Methode ist die FUE-Technik. Dabei werden aus noch gut bewachsenen Bereichen der Kopfhaut – meistens am Hinterkopf – die sogenannten Grafts entnommen. Nach der Aufbereitung werden die Haarfollikel in die kahlen Stellen der Kopfhaut eingesetzt (Eigenhaartransplantation), wachsen dort an und bilden neue Haare aus.

Alternative zur Finasterid-Behandlung | Darstellung der Eigenhaar-Transplantation
Vereinfachte Darstellung einer Haartransplantation: Bei der FUE-Technik werden sogenannte Grafts entnommen und nach entsprechender Aufbereitung an der kahlen Stelle wieder eingesetzt.

 

Vorteile der Haartransplantation

Das Ergebnis der Haartransplantation ist dauerhaft. Wenn die verpflanzten Grafts angewachsen sind, sind sie meistens unempfindlicher gegenüber dem Haarverlust, weil die Haare am Hinterkopf nicht so schnell auf Hormonveränderungen reagieren. Es kann mithilfe der Haartransplantation wieder ein sehr dichtes und ästhetisches Haarbild mit einer natürlichen Haarlinie erzeugt werden. Zwar ist die Haartransplantation mit einmaligen Kosten verbunden, allerdings zahlen diese sich meistens schon nach 1 bis 2 Jahren gegenüber den Kosten für die Medikamenteneinnahme aus. Ein Preisvergleich lohnt sich. Während in deutschen Kliniken oft das Dreifache verlangt wird, sind die Preise für Haartransplantationen in der Türkei wesentlich niedriger. Dabei ist die Qualität der Leistung oft noch besser, denn viele Kliniken bieten eine Chefarztbehandlung an und betreuen nur einen Patienten am Tag exklusiv.

FAQ: Häufige Fragen zu Finasterid gegen Haarausfall

Wo bekomme ich Finasterid her?

Finasterid ist ein Medikament, das nicht freiverkäuflich ist. Es muss vom Arzt verschrieben werden und wird in der Apotheke nur gegen ein Rezept herausgegeben.

Wer darf Finasterid nehmen?

Der Wirkstoff ist generell nur für Männer über 18 Jahren zugelassen. Frauen und Männer unter 18 Jahren dürfen Finasterid nicht einnehmen.

Was kostet Finasterid?

Finasterid ist ein sehr teures Medikament. Eine Packung mit 98 Stück Tabletten kostet etwa 120,00 €. Da das Medikament vom Arzt verschrieben werden muss, zahlen Kassenpatienten nur die übliche Zuzahlung in Höhe von 10,00 €. Wer zuzahlungsbefreit ist, muss gar nichts zahlen. Privatversicherte müssen dagegen tiefer in die Tasche greifen und die 120,00 € für das Medikament ausgeben. Die Packung hält 3 Monate, was pro Monat einen Betrag von ca. 40,00 € ausmacht.

Wie lange muss ich Finasterid einnehmen?

Finasterid muss so lange eingenommen werden, wie es wirken soll. Nach dem Absetzen des Wirkstoffes, setzt auch wieder der Haarausfall ein. Die dauerhaft erforderliche Einnahme ist eines der wesentlichen Nachteile der Medikamenteneinnahme.

Bei welchen Formen des Haarausfalls wirkt Finasterid?

Finasterid wirkt vor allem bei erblich bedingtem Haarausfall.

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